Kaufberatung für Smart Locks
Smarter Türschlossantrieb: So wählen Sie das richtige Modell für Ihre Tür
Wer sein Türschloss mit einem smarten Antrieb nachrüstet, muss sich nie mehr um abhanden gekommene Schlüssel sorgen. Die Auswahl ist groß. Mit diesen sechs Tipps finden Sie das passende Modell.
Nahezu jede Tür lässt sich mit einem Smart Lock nachrüsten, welches das Schloss auf einen Funkbefehl hin ver- und entriegelt. Dazu steckt ein akkubetriebener Antrieb auf der Innenseite der Tür, der den Schließzylinder in die gewünschte Richtung dreht. Das ist bequem. Nach Ihrem Metallschlüssel in der Tasche müssen Sie nicht kramen. Auch das Teilen von Schlüsseln geht leichter. Haushaltsmitgliedern, privatem Besuch, Pflegekräften und Feriengästen geben Sie Schließrechte einfach per App. Braucht jemand keinen Zugang mehr, löscht man die Schließerlaubnis digital. Verlorene oder nicht zurückgegebene Metallschlüssel sind kein Thema mehr.
Nicht mal Nachteile haben Smart Locks – wo gibt es das heute noch. Die Technik erhöht nicht das Einbruchsrisiko. Der mechanische Schutz bleibt unangetastet, weil man meist den vorhandenen Schließzylinder behält. Gelegenheitstäter können nicht wissen, dass smarte Technik auf der Innenseite steckt. Und falls doch, würden sie angesichts der Entdeckungsgefahr einen sekundenschnellen Einbruch mit physischer Gewalt langwierigen Cyberattacken vorziehen. Meist sind Smart Locks ab Werk nur aus der Nähe per Funk ansprechbar, nur optional mit dem Internet verbunden.

Spezialmarke oder Systemanbieter?
Wer nur smart schließen und in näherer Zukunft keine anderen Smart-Home-Geräte steuern will, zieht Spezialanbieter in Betracht. Ihre Apps sind angenehm aufgeräumt, weil keine Menüs für andere Gerätekategorien die Übersicht erschweren. Sie widmen sich voll und ganz dem Funktionsumfang und der Softwarepflege von Schließprodukten.
Systemanbieter sind bei großen Ausbauplänen besser geeignet. Sie haben auch etwa vernetzte Leuchtmittel, Sensoren, Zwischenstecker und Heizkörperthermostate in petto. Alles lässt sich mit ein- und derselben App dirigieren – ein großer Komfortvorteil.
Passt das smarte Türschloss zum Zylinder?
Technisch harmonieren smarte Schlossantriebe mit fast allen Türen. Weil sie rückbbaubar sind, ist das auch in Mietwohnungen erlaubt. Die Montage ist meist einfach. Im Normalfall opfert man einen vorhandenen Metallschlüssel, steckt ihn von innen in den Schließzylinder der Tür und stülpt dann das Gehäuse des Smart Locks über den Schlüsselkopf. Das Gehäuse fixiert man per Madenschraube am überstehenden Zylinder oder mit Klebepads am Türblatt.
In Ausnahmefällen wird es komplizierter. Manche Smart Locks erfordern, dass man den vorhandenen Zylinder ausbaut und gegen den mitgelieferten austauscht. Dafür liegen auch neue Schlüssel im Karton. Das ist unpraktisch, wenn man eine Schließanlage mit mehreren gleichschließenden Schlössern hat, in die allesamt der gleiche Metallschlüssel passt, und man nicht für dieses eine Schloss neue Schlüssel verteilen will.
In seltenen Fällen brauchen die Smart-Lock-Gehäuse zudem einen langen Überstand des Schließzylinders, damit sie stabil halten. Reicht es nicht, die Zierrosette zu entfernen, damit der Zylinder stärker freiliegt, muss ein längerer her – oder dieses Smart-Lock-Modell kommt nicht infrage.
Für praktisch alle Smart Locks gilt, dass sie nur über einen Europrofilzylinder passen und der Zylinder die sogenannte Not- und Gefahrenfunktion beherrschen muss. Ein Kompatibilitätscheck auf der Herstellerwebseite klärt, ob alles passt.
Dezenter Look oder großer Funktionsumfang?
Lassen Sie die Ästhetik nicht außen vor. Wer einen dezenten Look bevorzugt, greift zu kleinen, knaufförmigen Smart Locks. Davon gibt es aber noch wenige und sie erfordern Kompromisse. Um Platz zu sparen, lassen Hersteller mitunter Bauteile weg, etwa WLAN-Chips. Dann braucht man für den Fernzugriff zwingend eine zusätzliche Basisstation zur Kontaktaufnahme mit Heimnetz. Zwar bekommen andere Hersteller alles in einem kompakten Gehäuse verstaut, lassen sich aber die Miniaturisierung mit Aufpreisen teuer bezahlen.
Verbreiteter sind Smart Locks in Kastenform. Ihre Gehäuse sind mal tiefer und breiter, mal länglicher. Je nach vorhandener Türdrückergarnitur wirkt das eine oder das andere gefälliger. Außer WLAN-Funkbrücken stecken mitunter größere Akkus und Extra-Sensoren drin. Homematic IP baut beim Türschlossantrieb welche ein, die Alarm schlagen, wenn das Türblatt ungewöhnlich lang offen ist, jemand gewaltsam die Tür malträtiert oder ohne Erlaubnis den Antrieb abbauen will.

Was funktioniert im Offline-Betrieb?
In der Regel registriert man sich bei der Ersteinrichtung der Smart-Lock-App in der Hersteller-Cloud. Manche Anbieter sind datensparsamer, beschränken sich etwa auf einen anonymisierten Account.
Nach der Inbetriebnahme braucht man meist kein Festnetz mehr. Üblich ist der Austausch eines Schließbefehls per Bluetooth direkt zwischen Smartphone und Smart Lock. Seltener kommt ein herstellereigenes Funkverfahren im Verbund mit einer Basisstation zum Einsatz. In beiden Szenarien muss der Schlossantrieb nicht per WLAN mit dem Internet verbunden sein. Bei manchen Systemen braucht auch das Handy keinen Mobilfunkempfang.

Mitunter haben Sie in punkto Ausfallsicherheit die Wahl. Wer im System von Homematic IP als Vermittlungsstelle zum WLAN-Router zur höherpreisigen Home Control Unit greift, bedient die beiden Schlossantriebe der Marke selbst offline uneingeschränkt. Wer ein kleineres Budget hat, greift zum günstigeren Access Point, der für das Weiterreichen von Schließbefehlen vom Smartphone zum Smart Lock eine Cloud-Verbindung voraussetzt. Per Metallschlüssel und Knauf lässt sich das Schloss aber immer bedienen.
Wie bedient man Smart Locks außer per App?
Schlüsseldreher-Smart-Locks lassen sich üblicherweise auf mehreren Wegen öffnen und schließen. Den Zugriff per Smartphone-App akzeptieren alle. Alternativ kann eine Smartwatch zum Einsatz kommen, meistens eine Apple Watch, seltener auch welcher anderer Marken.
Nichts drücken muss man, wenn man den GPS-Standort des Smartphones freigibt und die sogenannte Auto-Unlock-Funktion aktiviert. Nähert man sich mit dem Mobilgerät auf Bluetooth-Reichweite, öffnen die Schlösser die Türen von allein. Damit niemand eingeschlossen ist, müssen aber alle Haushaltsmitglieder die Annäherungsautomatik auf ihrem Smartphone nutzen.
Als Alternative zum Zugang per Smartphone und Smartwatch bieten die meisten Hersteller eine unterschiedliche Auswahl an funkgesteuertem Zubehör, um die Schlösser per Schlüsselfernbedienung, Zifferncode, Fingerabdruck, NFC-Kontakt und per Gesichtserkennung zu öffnen. Erste Smart-Lock-Modelle nutzen den Aliro-Standard, der einen digitalen Haustürschlüssel in die Wallet-Apps von Apple, Google und Samsung packt. Hält man deren Smartphones an NFC-Leseflächen, entriegelt sich ein damit gekoppeltes Smart Lock.

Für die Verriegelung von innen gibt es eine weitere physische Option. Das ermöglicht bei praktisch allen Modellen entweder ein Tastendruck oder ein Dreh am Innenknauf.
Wie lassen sich Schlüssel teilen?
Praktisch alle Smart-Lock-Apps ermöglichen es, digitale Schlüssel auszustellen und diese Zutrittsrechte per Löschtaste wieder einzukassieren.
Üblich ist, dass sich weitere Nutzende ebenfalls mit Zugangsdaten in der Hersteller-App registrieren. Das empfiehlt sich, wenn man Haushaltsmitgliedern Zutrittsrechte gewähren möchte. Da sie ohnehin mehr als nur die Smart Locks bedienen wollen, ist der Aufwand verkraftbar. Hingegen seltenere und wechselnde Gäste wie Pflege- oder Reinigungskräfte freut es, wenn sie dafür nicht ein Konto in einer App zulegen müssen. Lässt dies die Smart-Lock-Software nicht zu, ist der Einsatz eines Keypads und die Vergabe eines Zifferncodes eine niederschwellige Alternative.

Idealerweise lassen sich Schließrechte auf bestimmte Wochentage und Uhrzeiten begrenzen oder mit einem Ablaufdatum versehen. Das ist von Vorteil, wenn man Räume an Feriengäste vermietet. Wer das in größerem Stil vorhat, bevorzugt Anbieter, die Schnittstellen zu Gastunterkunftsdiensten bieten.
Fazit
Smart Locks vom Typ Schlüsseldreher bieten den Komfort automatisch entriegelter Türen und erleichtern das Teilen von Schlüsselkopien. Digitale Zugangserlaubnisse lassen sich einfach auf Knopfdruck erstellen und wieder entziehen. Kaufinteressierte wählen zwischen einem kompakten Look oder etwas größeren Geräten mit Extra-Funktionen. Zudem achten sie darauf, dass die gewünschte Schließoption unterstützt wird, also der Schlossantrieb etwa auf auch Befehle einer Smartwatch oder eines Keypads reagiert. Wer viel Besuch administrieren will, prüft, welche Optionen es zur digitalen Schlüsselvergabe gibt. Zu Spezialmarken greift, wer sonst keine weiteren Smart-Home-Absichten hat, zu Systemmarken, wer große Ausbaupläne hegt.