Grundig Satellit 2100 – Restauration
Projektvorstellung und erste Einblicke
Seit Jahrzehnten ist das Radio eine unentbehrliche Quelle für Informationen und Unterhaltung. Kaum ein Radiotyp verkörpert jedoch den Geist weltweiter Kommunikation so sehr wie das Weltempfängergerät. Diese hochentwickelten Geräte ermöglichten es den Hörern, Sendungen aus der ganzen Welt zu empfangen, sie brachten Nachrichten, Kultur und Musik aus fernen Ländern in die Wohnzimmer rund um den Globus. Im Gegensatz zu herkömmlichen Haushaltsradios waren Weltempfänger speziell für den Empfang internationaler Kurzwellensendungen konzipiert, was sie für Journalisten, Diplomaten und Radio-Enthusiasten gleichermaßen unverzichtbar machte.
Grundig, ein deutsches Unternehmen, bekannt für seine hochwertige Unterhaltungselektronik, spielte eine entscheidende Rolle bei der Weiterentwicklung der Weltempfängertechnologie. Bereits zuvor hatte sich das Unternehmen als führender Hersteller von Röhrenradios und frühen Transistormodellen etabliert, doch erst mit der Einführung der Satellit-Serie in den späten 1960er-Jahren festigte Grundig seinen Ruf im High-End-Segment der Weltempfänger. Diese Radios kombinierten solide Verarbeitung mit hochmoderner Empfangstechnologie und lieferten hervorragende Leistung in einer Zeit, als der Kurzwellenrundfunk seine Blütezeit erlebte.
Im Mittelpunkt dieser Artikelserie steht eines der legendärsten Modelle der Satellit-Reihe – das Grundig Satellit 2100. Mitte der 1970er-Jahre auf den Markt gebracht, markierte das Satellit 2100 einen wichtigen Meilenstein in der Grundig-Produktpalette. Es überzeugte durch ausgeklügelte Abstimmmechanismen, exzellente Klangqualität sowie ein robustes und doch elegantes Design. Das Radio wurde für anspruchsvolle Kurzwellenhörer entwickelt, die einen hohen Anspruch an Selektivität, Empfindlichkeit und Zuverlässigkeit hatten. Auch heute noch ist das Satellit 2100 unter Sammlern und Liebhabern von Vintage-Radios heiß begehrt.
Vintage ist „cool“
Das wieder erwachte Interesse an diesen „alten“ Radios fasziniert mich. Viele meiner Generation waren in der Zeit, in der sie diese Geräte benutzten, ständig auf der Suche nach technischen Neuerungen. Unser Streben nach immer moderneren Technologien machte diese Geräte schließlich überflüssig und sie wurden durch blitzschnelle und qualitativ hochwertige digitale Alternativen verdrängt. Weshalb sind sie also plötzlich wieder in Mode? Für meine Generation ist es vermutlich ein wenig Nostalgie und eine alte Sehnsucht, denn damals waren diese Geräte für uns unerschwinglich. Für die jüngere Generation kann ich keine eindeutige Antwort liefern, ich staune allerdings über meine Tochter (sie ist Anfang zwanzig), denn sie wählt Objekte für ihre Umgebung sehr sorgfältig aus. In Ihrem Zimmer hat sie ein Röhrenradio aus den 60er-Jahren und ein Satellit 2000 stehen – beides Modelle von Grundig.
Unabhängig von den Gründen bleibt jedoch die Tatsache, dass wahrscheinlich Tausende dieser Radios und ähnlicher Geräte derzeit unbeachtet in Schuppen oder Dachböden verstauben und darauf warten, auf dem Müll zu landen. Wenn wir es schaffen, mehr von ihnen zu retten, ist das meines Erachtens eine erfreuliche Entwicklung. Diese Aufgabe hat eine Leidenschaft in mir entfacht, die ich mit dieser Artikelserie gerne teilen und vielleicht auch bei den Lesern entfachen kann.
Warum das Grundig Satellit 2100?
Bei der Auswahl eines Radios für ein Restaurierungsprojekt spielen mehrere Faktoren eine Rolle: technische Raffinesse, historische Bedeutung, Verarbeitungsqualität und das Potenzial, etwas Besonderes wieder zum Leben zu erwecken. Das Grundig Satellit 2100 erfüllt all diese Kriterien und ist damit ein idealer Kandidat für ein Restaurierungsobjekt. Im Gegensatz zu vielen anderen Kurzwellenradios seiner Zeit war das 2100 so konstruiert, dass es sowohl äußerst funktionell als auch benutzerfreundlich war, was es zu einem Favoriten sowohl für erfahrene Kurzwellenhörer als auch für Gelegenheitsnutzer machte. Es war ein ernst zu nehmender Kommunikationsempfänger, der dennoch die Ästhetik und Eleganz klassischer europäischer Unterhaltungselektronik ausstrahlte. Wie in Bild 1 zu sehen, setzte das Satellit 2100 die Tradition von Grundig fort, Radios zu produzieren, die nicht nur optisch ansprechend, sondern auch funktional waren. Seine große und hintergrundbeleuchtete Analogskala und das separate Kurzwellen-Abstimmungssystem hoben es deutlich von vielen Mitbewerbern ab und machten es besonders für anspruchsvolle Kurzwellenfreunde attraktiv. Das Modell wurde mit höchster Präzision entwickelt, sodass sein Abstimmungssystem eine leichtgängige und genaue Frequenzjustierung ermöglichte.

Ein herausragendes Merkmal des Satellit 2100 ist das Doppel-Superhet-Design (Doppelsuper), das die Trennschärfe und Empfindlichkeit auf den Kurzwellenbändern deutlich verbessert. Dies war ein großer Fortschritt gegenüber einfacheren Radios mit Einkreisempfängern, denn störende Spiegel-Frequenzen und Interferenzen wurden stark reduziert, was zu einem saubereren und stabileren Signal führte. Das Radio deckt LW, MW, KW und UKW ab und bietet damit ein umfassendes Frequenzspektrum für internationalen Hörgenuss. Ein weiteres Qualitätsmerkmal des 2100 ist seine Verarbeitung. Grundig verwendete hochwertige Materialien – von den präzisionsverzahnten Abstimmmechanismen über das robuste Gehäuse bis hin zum Lautsprechersystem – alles Premium-Qualität. Das Radio glänzt zudem mit einer hervorragenden Audioqualität, dank eines gut konstruierten Verstärkers und eines großen Lautsprechers, der einen satten, vollen Klang liefert – etwas, das vielen tragbaren Weltempfängern fehlte.
Das Design des Geräts wurde mehrfach kosmetisch überarbeitet, das Innenleben blieb dabei unverändert:
Erste Version: silberne Schaltknöpfe, feines Lautsprechergitter
„Profi“-Optik: schwarze Schaltknöpfe, feines Lautsprechergitter
Letzte Version: silberner Drehschalter, „waffelartiges“ Lautsprechergitter
Jenseits seiner technischen Vorzüge markiert das Satellit 2100 einen Wendepunkt in der Radiogeschichte. Es zählt zu den letzten großen analogen Weltempfängern, bevor das digitale Zeitalter begann, die Radiotechnik grundlegend zu verändern. Geräte wie das Satellit 2100 wurden von Reisenden, Journalisten und Funkenthusiasten verwendet, die auf Kurzwelle angewiesen waren, um aktuelle Nachrichten und Unterhaltung aus aller Welt zu empfangen. Noch heute ist dieses Modell bei Sammlern hochbegehrt – nicht nur wegen seiner beeindruckenden Empfangsleistung, sondern auch aufgrund seiner historischen Bedeutung als einer der letzten rein analogen Weltempfänger von Grundig, bevor digitale Anzeigen und PLL-Synthesizer Einzug hielten (Bild 2). All diese Aspekte – das herausragende Design, der historische Stellenwert und die technische Raffinesse – machen das Satellit 2100 zu einem idealen Objekt für eine Restaurierung. Es wieder zum Leben zu erwecken, bedeutet nicht nur, ein Stück Ingenieurskunst zu bewahren, sondern auch, das handwerkliche Können und die technische Kreativität einer Ära zu würdigen, in der der Kurzwellenfunk seinen Höhepunkt erlebte.

Was kostet ein Grundig Satellit 2100?
Heute ein Grundig Satellit 2100 für die Restaurierung zu erwerben, ist sowohl eine Chance als auch eine Herausforderung. Diese Radios wurden in den 1970er-Jahren zwar in großer Stückzahl produziert und international verkauft, doch gut erhaltene oder restaurierungsfähige Exemplare werden zunehmend seltener. Mit wachsender Nachfrage von Sammlern und Liebhabern sind die Preise auf dem Secondhandmarkt entsprechend gestiegen. Der Kaufpreis für ein Satellit 2100 hängt stark vom Zustand, der Vollständigkeit und der Herkunft ab. Ein nicht funktionierendes oder „nur für Teile“ geeignetes Gerät findet man mit etwas Glück für 50 bis 100 Euro. Vollständige, aber ungetestete oder defekte Geräte liegen meist bei 150 bis 250 Euro. Ein funktionsfähiges Gerät im guten optischen Zustand kostet oft mehr als 300 Euro, während neuwertige Exemplare oder Geräte in Originalverpackung auf Auktionsplattformen oder bei Spezialhändlern auch die 500-Euro-Marke überschreiten.
Ein weiterer Grund für die steigenden Preise ist die Praxis des Ausschlachtens. Verkäufer zerlegen Radios und verkaufen Einzelteile separat, dies ist besonders online weit verbreitet. Knöpfe, Skalen, Lautsprechergitter, Platinen oder selbst die Teleskopantenne erzielen einzeln oft überraschend hohe Preise. Dies mag für Restauratoren zwar praktisch sein, wenn ein seltenes Ersatzteil benötigt wird – gleichzeitig sinkt jedoch die Zahl der brauchbaren kompletten Geräte auf dem Markt, was die Preise für unrestaurierte Exemplare weiter steigen lässt.
Die eigentlichen Restaurierungskosten gehen über den Kaufpreis hinaus. 50 bis 100 Euro sollten mindestens für Ersatzteile eingeplant werden: neue Elektrolytkondensatoren, Skalenlampen, Schalter, Potentiometer, Lautsprecherschaumstoff (falls nötig) und eventuell Transistoren oder Dioden bei Defekten. Wenn kosmetische Arbeiten anstehen – etwa verblasste Aufdrucke erneuern, Gehäuseschäden reparieren oder fehlende Knöpfe ersetzen – kommen weitere Kosten hinzu. Werkzeuge wie Signalgenerator, Multimeter, Lötstation und Abgleich-Werkzeuge sind hilfreich, aber nicht zwingend nötig. Für diejenigen, die alles selbst restaurieren, muss je nach Zustand des Radios und Restaurierungsumfangs mit insgesamt 200 bis 400 Euro gerechnet werden. Das klingt zunächst viel, ist aber für einen Weltklasseempfänger, der nach erfolgreicher Restaurierung mit einer Spitzenleistung, einem eigenen Charakter und Sammlerwert glänzt, durchaus gerechtfertigt. Und natürlich ist das Erfolgserlebnis, ein selbst restauriertes Gerät in Betrieb zu nehmen, ohnehin unbezahlbar.
Vorbereitung ist alles
Bevor es richtig losgeht, ist es grundsätzlich eine gute Idee, möglichst viele Referenzmaterialien zusammenzutragen. Unverzichtbar ist das vollständige Service-Handbuch mit Schaltplänen, Abgleichdaten, Platinenlayouts und mehr. Glücklicherweise sind diese Handbücher noch recht leicht online in Foren, Archiven oder auf Sammler-Websites zu finden. Ebenso wertvoll sind Restaurationsberichte von anderen – ob als detaillierte Forenbeiträge oder Schritt-für-Schritt-Videos auf YouTube. Sie liefern wichtige Einblicke in bekannte Schwachstellen, knifflige Arbeitsschritte oder clevere Tricks, die man in offiziellen Dokumentationen vergeblich sucht. Auf meinem eigenen Youtube-Kanal gibt es z. B. Videos zur vollständigen Restaurierung von zwei Satellit-2100-Geräten, inklusive aller Problemlösungen, Reparaturschritte und meiner Lehren aus Fehlern. Viele andere haben ihre Projekte ebenfalls dokumentiert – ein Fundus an wertvollen Tipps. Sich vorab zu informieren, spart am Ende Zeit, bewahrt vor Fehlern und liefert oft neue Ideen. Mein Rat: zuerst die Hausaufgaben machen – dann loslegen.
Was macht das Satellit 2100 so besonders?
Trotz harter Konkurrenz auf dem Markt der Mehrbandempfänger in den 1970er-Jahren setzte sich das Grundig Satellit 2100 mit mehreren herausragenden Merkmalen deutlich von seinen Mitbewerbern ab:
1. Doppel-Superhet für Kurzwelle
Anders als viele Empfänger dieser Zeit mit Einkreisempfängern nutzt das Satellit 2100 ein Doppel-Superhet-Prinzip für die Kurzwellenbereiche (Bild 3). Diese Architektur verbessert die Unterdrückung von Spiegelfrequenzen und die Selektivität erheblich – vor allem in den dicht belegten Bereichen des Kurzwellenbands. Mit einer Zwischenfrequenz von 2 MHz, die dann auf 460 kHz umgesetzt wird, erreicht das Gerät eine hohe Abstimmgenauigkeit und Stabilität. Damit war es ein echter Weltklasse-Empfänger und ideal für ernsthaftes DXing (Langstreckenempfang).

2. Trommel-Drehschalter für die Kurzwellenbänder (SW3–10)
Ein weiteres mechanisches Highlight ist der Trommel-Drehschalter, der die Kurzwellen-Teilbänder SW3 bis SW10 anwählt. Statt komplette Signalpfade für jedes Band zu duplizieren, bleibt der Haupt-Kurzwellenkreis konstant, während nur die frequenzspezifischen Abstimm- und Filtermodule mechanisch per Trommel zugeschaltet werden. Durch diese elegante Lösung bleibt das Radio kompakt und zuverlässig, während gleichzeitig eine hohe Selektivität über einen breiten Bereich von Kurzwellenfrequenzen erhalten bleibt. Die Struktur dieses Systems ist in den heller schattierten Abschnitten von Bild 4 dargestellt, die die spezifischen Komponenten zeigen, die für jedes Band in die Schaltung einbezogen werden.

3. Integrierte, bandübergreifende Abstimmung innerhalb der Kurzwellenbereiche
Anstelle eines separaten Feinabgleichs oder eines alleinigen Zeitlupen-Abstimmknopfs verfügt das Satellit 2100 über ein cleveres Dual-Skalen-System innerhalb jedes Kurzwellenbands. Der Nutzer kann damit zwischen einem weiten Bereich und einer engen Bandspreizung für wichtige Kurzwellen-Sendegebiete wählen. Beispiel: Auf SW6 reicht der normale Bereich von 10,5 bis 13,2 MHz, während im Bandspreiz-Modus nur 11,6 bis 12,1 MHz abgedeckt werden – genau das kommerzielle 25-Meter-Band (Bild 5). Das erhöht die Auflösung spürbar und erleichtert das präzise Abstimmen bei viel Funkverkehr auf dem Band erheblich.

4. Herausragende Audioqualität
Ein weiteres Glanzstück des Satellit 2100 ist seine exzellente Klangqualität, die es deutlich von vielen anderen portablen Weltempfängern seiner Zeit abhebt. Es verfügt über einen großen Breitbandlautsprecher in Kombination mit einem Hochtöner, was für einen weiten Frequenzgang und einen vollen, detailreichen Klang sorgt. Der Breitbandlautsprecher übernimmt Bass- und Mittenbereiche, während der Hochtöner klare Höhen liefert – ideal für Nachrichten, Musik und Kurzwellenempfang gleichermaßen. Auch die Verstärkerschaltung ist mit Blick auf hohe Klangtreue ausgelegt: Sie liefert niedrige Verzerrungen und hohe Leistungsreserven für eine klare Wiedergabe auch bei höheren Lautstärken. Diese Liebe zum Detail sorgt dafür, dass das Satellit 2100 auch heute noch mit seinem warmen, ausgewogenen Klang überzeugt – perfekt für ausgedehnte Hörsessions.
Unser Restaurationsobjekt: erste Inspektion und bekannte Schwachstellen
Das Exemplar, das ich in dieser Serie restauriere, wurde in optisch gutem Zustand erworben (Bild 6) – ein vielversprechender Startpunkt. Der Verkäufer beschrieb es als „ungeprüft“ – ein dehnbarer Begriff, der alles von voll funktionsfähig bis komplett defekt bedeuten kann. Deshalb habe ich es nicht gleich eingeschaltet: Ein alter Empfänger kann durch voreiliges Einschalten Schäden erleiden oder bestehende Probleme verschärfen.

Die folgenden Bilder zeigen typische Schwachstellen, die man bei einer ersten Sichtkontrolle beachten sollte. Mein Gerät wirkt vollständig und sauber, doch es ist wichtig, bekannte Schwachstellen frühzeitig zu erkennen.
Zwei häufige Problemzonen im oberen Bereich des Geräts zeigt Bild 7: verbogene oder abgebrochene Teleskopantennen sowie beschädigte oder festsitzende Bandschalter. Letztere neigen zu innerer Verschmutzung oder Abnutzung, was sich in hakeliger oder unzuverlässiger Funktion äußert. Glücklicherweise lassen sich diese Mängel meist mit Kontaktreiniger und vorsichtiger Schmierung beheben. Schwieriger ist es mit beschädigten Antennen: Zwar sind Originalersatzteile verfügbar, allerdings oft zu hohen Preisen. Umso erfreulicher ist es, dass bei meinem Exemplar die Antenne gerade und unversehrt ist und sich die Schalter frei bewegen lassen – ein gutes Zeichen, auch wenn ein Blick ins Innere noch aussteht.

Bild 8 richtet den Fokus auf die Frontplatte und die Schiebeschalter. Diese Kunststofftasten neigen mit zunehmendem Alter zur Sprödigkeit und brechen nicht selten ab – besonders bei Geräten mit intensiver Nutzung. In vielen Fällen lassen sich die Tasten mit Epoxidharz reparieren, alternativ gewinnt der 3D-Druck als zuverlässige Lösung zunehmend an Bedeutung. Allerdings sind auch originale Ersatzteile, falls überhaupt noch erhältlich, nicht vor altersbedingter Brüchigkeit gefeit – und somit oft keine dauerhafte Lösung. Bei diesem Gerät sind zum Glück alle Tasten vollständig und unversehrt erhalten, wenn auch ihre Funktionstüchtigkeit noch zu prüfen ist.

Bild 9 zeigt die rotierende Bandtrommel für die Kurzwellenbereiche SW3 bis SW10. Dieses mechanisch komplexe, elegant konstruierte Bauteil ist anfällig für Probleme wie Fehlstellungen, Durchrutschen oder völliges Festsetzen infolge verharzter Schmierstoffe oder gebrochener Gestänge. Ein unsachgemäßer Funktionstest mit Gewalt kann hier schnell Schäden verursachen. Umso wichtiger ist es, diese Einheit nach dem Öffnen des Gehäuses vorsichtig zu reinigen und zu prüfen.

Bild 10 befasst sich mit der Rückseite und den unteren Gehäuseklappen. Beide Zugangspaneele sind vollständig erhalten – eine Seltenheit, da sie häufig fehlen oder durch ausgelaufene Batterien bzw. Hitzeschäden gerissen oder verzogen sind. Zwar lassen sich Ersatzklappen heutzutage kostengünstig beschaffen oder drucken, doch originale, gut erhaltene Teile sind ein echter Glücksfall. Trotzdem bleibt ein kritischer Blick ins Batteriefach unerlässlich – Korrosion ist bei diesem Modell ein bekanntes Problem.

Knöpfe, Frontplatte und Zierleisten verdienen ebenfalls Aufmerksamkeit: Leichte Gebrauchsspuren sind vorhanden, aber die Markierungen sind klar und alles ist stabil. Wichtig: Restaurierung bedeutet nicht, jede Gebrauchsspur zu tilgen. Ein gewisses Maß an Patina verleiht Charakter und Authentizität. Die Botschaft an alle, die ein ähnliches Projekt ins Auge fassen: nicht von festsitzenden Schaltern, verbogenen Antennen oder fehlenden Teilen entmutigen lassen! Diese Radios wurden servicefreundlich gebaut, und mit Geduld – unterstützt durch die wachsende Restaurations-Community (u. a. mein Youtube-Kanal) – lassen sich die meisten Probleme lösen. Diese äußere Sichtprüfung ist nur der Anfang. Als Nächstes nehmen wir den inneren Zustand unter die Lupe.
Jetzt wird es spannend!
Ein erster Blick ins Innere
Wie bereits erwähnt, ist ein detailliertes Service-Handbuch Gold wert – dieses hier übertraf meine Erwartungen. Es enthält sogar eine Anleitung zum sicheren Ausbau des Chassis. Zum Organisieren verwende ich einen Plastikbehälter (Bild 11), Schrauben sortiere ich in beschriftete Tütchen – eine kleine Mühe, die den späteren Zusammenbau enorm erleichtert.

Ein paar bewährte Tricks aus der Praxis:
Knöpfe abziehen: Zwei Teelöffel als Hebel helfen beim sanften und gleichmäßigen Abhebeln (Bild 12).
Kabel trennen: Wenn nötig, direkt an der Lötstelle kappen und einen kurzen Rest des Farbmantels stehen lassen (Bild 13) – das erleichtert später das Wiederanlöten.
Fotografieren: Jeden Schritt dokumentieren! Mit den heutigen Smartphones kein Problem – und später eine unschätzbare Hilfe.


Nun beginnt die eigentliche Arbeit
Mit dem jetzt ausgebauten Chassis haben wir endlich den vollständigen Blick auf unser Projekt. Alles ist zugänglich – und gibt den Blick frei auf ein umfangreiches Innenleben. Auf den ersten Blick wirken die vielen beweglichen Teile und Teilsysteme dieses Radios wie ein Berg Arbeit. Aber keine Sorge – es sieht schlimmer aus, als es ist. Sie konstruieren das Gerät ja nicht neu, Sie restaurieren es nur. Es ist nicht nötig, alles auf einmal zu verstehen. Gehen Sie Abschnitt für Abschnitt vor.
Wie in der Vorderansicht (Bild 14) und der Rückansicht (Bild 15) zu sehen ist, ist die Ingenieurskunst des Satellit 2100 wirklich beeindruckend. Nehmen Sie sich Zeit, um den Aufbau genau zu studieren. Fotografieren Sie alles. Achten Sie besonders darauf, wo welche Verbindungen verlaufen. Und vor allem: Gehen Sie sorgsam mit den freiliegenden Bauteilen um – viele davon sind empfindlich und jetzt nicht mehr durch das Gehäuse geschützt.


Wenn dies Ihr erstes großes Restaurierungsprojekt ist und Sie sich anfangs etwas überfordert fühlen, ist das völlig normal. Solche Projekte werden wesentlich überschaubarer, wenn man sie in kleine, gut definierte Schritte unterteilt. Genau diese Methode wende ich bei jedem Radio an: immer nur ein klares, kleines Ziel definieren und sich ganz darauf konzentrieren. Diese Herangehensweise werde ich in der gesamten Artikelserie mit Ihnen teilen. Schön, dass Sie dabei sind – ich hoffe, Sie begleiten mich auf diesem Weg, während wir diesem ikonischen Weltempfänger neues Leben einhauchen und seine Geheimnisse Schritt für Schritt entdecken.
Über diese Artikelserie
In den kommenden Artikeln tauchen wir tief in die Restaurierung eines Grundig Satellit 2100 ein. Wir werden Herausforderungen wie elektronische Reparaturen, Abgleicharbeiten und kosmetische Restaurierungen angehen. Am Ende dieser Serie werden Sie als Leser nicht nur eine neue Wertschätzung für dieses legendäre Radio gewonnen haben, sondern auch praktisches Wissen darüber, wie man ein solches Gerät wieder zum Leben erweckt. Ziel ist es, Sie, lieber Leser, zu ermutigen, selbst ein Restaurierungsprojekt in Angriff zu nehmen – und damit noch viele dieser Schätze vor dem Verschwinden zu bewahren.
Ausblick
Im nächsten Artikel werden wir die internen Schaltkreise genauer untersuchen, beginnend mit der Stromversorgung und dem Verstärker – dort beginnt die eigentliche Diagnosearbeit. Das Restaurations-Abenteuer geht weiter!
Achtung, Gefahr! – Hochspannung!
Die Spannungen im Inneren eines Röhrenradios können sehr hoch sein − im Bereich von Hunderten von Volt, sodass äußerste Vorsicht geboten ist, um lebensbedrohliche Stromschläge zu vermeiden. Die beschriebenen Arbeiten dienen nur als Anschauungsbeispiel und zum Verständnis der verwendeten Technologie und sollten nur von dafür qualifizierten Technikern durchgeführt werden.
Technische Daten – Grundig Satellit 2100
Abstimmung und Frequenzbereiche
- Langwelle (LW): 150–420 kHz
- Mittelwelle (MW/AM): 520–1620 kHz
- Kurzwelle (SW): 1,6–30 MHz
- Separates Feinabstimmrad für Kurzwelle
- UKW (FM): 87,5–108 MHz
Abstimmtechnik
- Analoge Abstimmung mit Doppel-Superhet für Kurzwelle
- Hauptabstimmrad mit präzisem Langsamlauf-Mechanismus
- Separates Kurzwellen-Abstimmrad für exakten Kurzwellenempfang
- Eingebaute Bandspreizung für verbesserte Selektivität
- Beleuchtete Skala mit Feldstärkeanzeige
Antennensystem
- Interne Ferritantenne für LW/MW
- Externe Teleskopantenne für SW/FM
- Externe Antennenbuchsen für verbesserten SW- und FM-Empfang
Selektivität und Empfindlichkeit
- Hohe Empfindlichkeit dank rauscharmem HF-Verstärker
- Einstellbare Bandbreite für bessere Selektivität
Audio
- Ausgangsleistung: 5 W (verzerrungsfrei)
- Lautsprecher: großer elliptischer Lautsprecher (ca. 120 × 180 mm)
- Klangregelung: separate Bass- und Höhenregler
- Kopfhöreranschluss (3,5 mm)
- Ausgang für externen Lautsprecher
- Ausgang für Tonbandgerät (DIN-Buchse)
Besondere Merkmale
- Feldstärkeanzeige für optimale Abstimmung
- Bandspreizung für Kurzwelle für präzise Abstimmung internationaler Sender
- Skalenbeleuchtung für den Einsatz bei schwachem Licht
- Netz- und Batteriebetrieb für mobilen Einsatz
Über den Autor
Manuel Caldeira schloss sein Studium der Elektrotechnik an der University of Natal (Durban) 1985 ab. Direkt nach der Universität begann er, bei Siemens (Südafrika) zu arbeiten. Danach ging er in die Wirtschaft, anstatt in der Technik zu bleiben. Schließlich kehrte er aus Spaß zur Elektronik zurück und genießt es, alte Röhrenradios zu restaurieren und an so ziemlich allem zu tüfteln, was ihm auf dem Gebiet der Elektronik gefällt. Er betreibt von seinem Wohnsitz auf Madeira aus mit mehr als 30.900 Abonnenten auf YouTube den Kanal „Electronics Old and New by M Caldeira“, der sich hauptsächlich mit Röhrenradios beschäftigt. In den vergangenen sechs Jahren hat er dazu mehr als 630 Videos veröffentlicht, die mehr als 4,1 Millionen mal abgerufen wurden.