ELV Smart Hacks
Tür und Tor mit Homematic IP
In unserer Reihe „ELV Smart Hacks“ zeigen wir anhand kleiner Detaillösungen, wie man bestimmte Aufgaben im Homematic IP System konkret lösen kann. Dies soll insbesondere Homematic IP Einsteigern, aber auch erfahreneren Nutzern helfen, die Einsatz- und Programmiermöglichkeiten besser zu verstehen und optimal einzusetzen.
In dieser Ausgabe beschäftigen wir uns mit der Systemlösung „Zutritt“ und deren Möglichkeiten. Aufbauend zu unserem letzten Beitrag zu smarten Klingelsystemen gehen wir nun den nächsten Schritt: Wir zeigen, wie Sie mit Homematic IP Türen und Tore einbinden, um den Zutritt zum Gebäude oder Grundstück intelligent zu steuern und zu überwachen.
Jeder kennt es: Man verlässt das Haus und merkt erst zu spät, dass der Schlüssel fehlt. Guter Rat ist dann teuer. Wer hat schon einen Ersatzschlüssel in Reichweite deponiert? Doch so weit muss es nicht kommen. Ein gut ausgebautes Smart-Home-System bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, auch ohne Schlüssel sicher ins Haus zu gelangen.
Der Türschlossantrieb: Smart und Sicher
Für normale Außen- oder Innentüren bietet sich die Verwendung eines smarten Türschlossantriebs wie des HmIP-DLD (Bild 1) an. Er liefert hohe Sicherheit und außergewöhnlichen Komfort für den Nutzer.

Besonders praktisch ist ein solcher Türschlossantrieb in folgenden Bereichen:
- Privathaushalte: Zur Steuerung von Wohnungs- oder Zugangstüren zu bestimmten Räumen.
- Büros und Geschäftsräume: Als sicherer Zutritt zu Bürogebäuden, Konferenz- oder Lagerräumen mit der Möglichkeit, den Zugang bequem aus der Ferne zu steuern.
- Ferienwohnungen oder Ferienhäuser: Zur automatischen Türsteuerung für Gäste, wodurch eine Schlüsselübergabe entfällt und der Zutritt effizienter gestaltet werden kann.
- Seniorenheime und Pflegeeinrichtungen: Zur Sicherstellung, dass nur autorisierte Personen Zugang zu bestimmten Bereichen haben.
Der HmIP-DLD ist für den Einsatz mit standardisierten Profilzylindern (z. B. Europrofilzylinder) konzipiert. Der Zylinder sollte dabei einen Überstand von mindestens 8 mm und maximal 15 mm zum Türblatt aufweisen (Bild 2), damit die Montageplatte sicher aufgesetzt und fixiert werden kann (Bild 3).


Wir empfehlen, einen solchen Antrieb nur bei Zylindern mit einer Not- und Gefahrenfunktion zu verwenden. Diese Funktion erlaubt das Drehen der Schlüssel auf beiden Seiten, auch wenn auf der Gegenseite bereits ein Schlüssel steckt. Der Türschlossantrieb wird auf einen innen im Schloss steckenden Schlüssel aufgesetzt und dreht diesen motorisch, um so das Schloss zu öffnen oder zu schließen (Bild 4).

Hinweis: Die maximale Kopfhöhe des Schlüssels darf dabei 3,4 cm und die maximale Kopfstärke 4 mm betragen.
Die Stromversorgung erfolgt über Batterien, wobei auch wiederaufladbare Akkus (z. B. Eneloop) einsetzbar sind. Über die Homematic IP App lässt sich der Türschlossantrieb einfach konfigurieren, um individuelle Parameter wie die Umdrehungszahl an die Tür anzupassen. Die Bedienung erfolgt kinderleicht per App, Handsender oder einem KeyPad – ein Schlüssel wird damit überflüssig.
Wer lediglich den Zustand seines Schlosses prüfen möchte, ohne es aktiv zu steuern, für den bietet sich der Türschlosssensor HmIP-DLS (Bild 5) an. Dieser Sensor wird ähnlich wie der Antrieb montiert und erkennt die Umdrehungen des Schlosses in beide Richtungen.

Das Motorschloss
Im Neubau und in gewerblichen Objekten finden immer häufiger Motorschlösser Verwendung. Steht eine Tür mit einem verbauten Motorschloss (z. B. von Winkhaus) zur Verfügung, kann auch dieses mit dem Universal-Motorschloss-Controller (HmIP-FLC) (Bild 6) in die Homematic IP Welt integriert werden.
Dieser Controller ermöglicht nicht nur das Öffnen und Schließen per App, sondern auch die Überwachung des Türzustands über zwei Eingangskanäle. Hier können potentialfreie Kontaktgeber wie klassische Reed-Kontakte ausgewertet werden (Bild 7). Besonders spannend ist der aktivierbare Tag-/Nachtmodus, der im Nachtbetrieb das Schloss automatisch verriegelt, sobald die Tür geschlossen wird. Zur Umschaltung empfiehlt sich ein Schalter, es kann aber auch ein Taster im Toggle-Betrieb verwendet werden. Die Spannungsversorgung hat bauseits mit 12-24 VDC zu erfolgen. Dank der geringen Größe passt das Homematic IP Modul in jede gängige Unterputzdose und lässt sich leicht in der Nähe der Tür platzieren.
Neben dem Motorschloss-Controller steht noch ein weiteres Modul zur Verfügung, der Universal-Türöffner-Controller, kurz HmIP-FDC (Bild 8). Diese Komponente bietet sich für Türen an, die über einen integrierten elektronischen Türöffner (z. B. einen Summer) verfügen. Wie auch beim vorherigen Modul stehen mehrere Eingänge für die Zustandsüberwachung oder den Tag-/Nacht-Moduswechsel zur Verfügung.



Zutrittsberechtigung: Volle Kontrolle per App
Für den Türschlossantrieb und die Controller lassen sich in der Homematic IP App individuelle Zutrittsberechtigungen erstellen. Über diese kann einfach festgelegt werden, welche Nutzer (Smartphone) oder Sender (KeyPad, Wandtaster etc.) zu welcher Zeit Zugriff auf das Schloss haben sollen. Dies wird über ein flexibles, für jeden Wochentag definierbares Wochenprofil umgesetzt (Bild 9). Auch lassen sich über die Zutrittsberechtigungen blitzschnell neue Nutzer hinzufügen oder „unberechtigte“ Nutzer entfernen.
Ein möglicher Anwendungsfall ist der zeitgesteuerte Zutritt für die Reinigungskraft. Auch lassen sich blitzschnell neue Nutzer hinzufügen oder entfernen. Diese Flexibilität macht die Smart-Home-Lösung auch für vermietete Objekte wie Ferienwohnungen hochinteressant.

Das Tor: Garagen- und Gartentore smart einbinden
Nicht nur Türen, auch elektrische Tore lassen sich smart einbinden. Viele Torsteuerungen verfügen über eine Schnittstelle für einen potentialfreien Taster, die durch passende Homematic IP Aktoren genutzt werden kann. Die Schaltplatine HmIP-PCBS (Bild 10) ist oft die Komponente der Wahl, um potentialfrei zu schalten. Die Versorgung des Moduls muss über ein passendes Steckernetzteil erfolgen (5–25 VDC) oder kann ggf. auch durch das Antriebsmodul des Tors selbst bereitgestellt werden. Über die Zuweisung zur Zutrittslösung lässt sich die Platine dann in einer Garagentorgruppe konfigurieren und gibt immer nur einen kurzen Schaltimpuls aus, um eine Fahrt auszulösen. Eine physische Bedienstelle liegt hier dann aber nicht vor und die Steuerung erfolgt per App oder zusätzlichen Funksender.

Alternativ bietet der Homematic IP Garagentortaster (HmIP-WGC) (Bild 11) ein robustes Gehäuse mit einer großflächigen Tastwippe, die sich auch mit vollen Händen problemlos bedienen lässt. Die Schaltlogik im Gerät erzeugt bei einem Druck bereits einen kurzen Impuls, sodass dieser nicht extra einzurichten ist. Natürlich lässt sich der Aktor auch mit Sendern des Systems verbinden und so auf Entfernung via App steuern. Auch die Spannungsversorgung ist hier etwas anders gelöst. Dem Nutzer steht es frei, die für sich passende Lösung zu wählen. Der Betrieb des Aktors kann per Netzteil (5–24 VDC) oder auch per Batterien erfolgen. Beide gezeigten Komponenten haben aber eine Eigenschaft gemeinsam: Der aktuelle Zustand des Tors kann nicht erkannt werden.

Die Zustandserkennung: Immer wissen, was los ist
Um den aktuellen Zustand des Tors zu erkennen, bietet das System ebenfalls passende Produkte an. Die Anwendbarkeit ist aber stark an bauliche Gegebenheiten geknüpft – wir können hier nur eine allgemeine Empfehlung geben. Beachten Sie immer die Hinweise zur Montage in den jeweiligen Bedienungsanleitungen! Auch ist auf die Schutzart des Geräts zu achten, diese sind in der Regel nach IP20 ausgelegt und eignen sich daher nicht für den direkten Außeneinsatz. Die einfachste Form ist der magnetische Fensterkontakt HmlP-SWDM-2 (Bild 12). Über den Neigungs- und Erschütterungssensor (HmIP-STV) (Bild 13) lässt sich zudem der Kippzustand von Garagen- oder Sektionaltoren präzise erfassen (Bild 14).



Alternativ können auch die Smart-Home-Sensoren von ELV wie der ELV-SH-TACO verwendet werden. Für diesen Lagesensor können Sie in der App Winkelbereiche festlegen, ab wann das Tor als geöffnet, gekippt oder geschlossen gilt. Die Montage kann bespielhaft wie in Bild 15 auf der Innenseite des Tors durch z. B. Aufkleben erfolgen. Neben der reinen Lageänderung erfasst der TACO auch die Umgebungstemperatur und kann so z. B. auch vor Frost warnen. Bild 16 zeigt den ELV-SH-TACO an einem Garagentor. Zur Montage wird eine selbst gedruckte Halterung verwendet. Durch den robusten Aufbau ist der TACO zudem für viele interessante Projekte geeignet, eine Übersicht finden Sie hier.


Verfügt Ihr Torsystem über potentialfreie Schaltkontakte, lassen sich diese über die Kontaktschnittstelle HmIP-SCI (Bild 17) in das Homematic IP System einbinden.

Speziallösung: Antriebe von Hörmann
Nutzer bestimmter Hörmann-Antriebe können auf ein speziell entwickeltes Produkt zurückgreifen: das Homematic IP Smart Home Modul für Hörmann-Antriebe (HmIP-MOD-HO) (Bild 18).
Kompatible Modelle:
- SupraMatic Serie 3 E/P ab Index Ci
- SupraMatic HT3
- RotaMatic/P/PL Serie 1 (ab 09/2010) und Serie 2
- LineaMatic/P/H Serie 1 (ab 10/2009) und Serie 2
- VersaMatic
- WA300 S4
- WA300 R S4

Für die folgenden Modelle wird zusätzlich ein Adapter benötigt:
- Liftronic 700-2/800-2
- SupraMatic/ProMatic Serie 4
- RollMatic 2
Dieses Modell wird direkt über den BUS-Anschluss oder über den ggf. nötigen HAP 1 HCP Adapter des Antriebs mit Spannung versorgt und lässt sich anschließend in die Homematic IP App anlernen. Der Nutzer kann hiermit gezielt das Tor öffnen und schließen. Zusätzlich kann eine Lüftungsposition angefahren werden, die das Tor nur zu einem geringen Grad öffnet.
Viel wichtiger jedoch: Auch der aktuelle Stand des Tors wird zurückgemeldet. So kann dieser zu jeder Zeit aus der Ferne per App kontrolliert werden (Bild 19). Man sollte nie ein Garagentor fahren, wenn keiner vor Ort ist. Es könnten sich Tiere, Kinder oder andere Objekte im Fahrbereich befinden.

Sicherheitshinweis: Fahren Sie ein Garagentor niemals aus der Ferne, wenn Sie nicht vor Ort sind. Es könnten sich Tiere, Kinder oder Objekte im Fahrbereich befinden.
Womit steuern? Fernbedienung oder Keypad?
Neben der App-Bedienung kann der Nutzer aus einer Vielzahl von Hand- oder Wandsendern wählen. Besonders beliebt sind die Schlüsselbundfernbedienung und das KeyPad. Beide lassen sich über direkte Verknüpfungen mit den Geräten verbinden und funktionieren somit auch ohne Internetverbindung oder bei einem Ausfall der Zentrale. Beschränken wollen wir uns im Folgenden auf die gängigsten Komponenten, die Schlüsselbundfernbedienung und das KeyPad. Beide haben gemeinsam, dass sie sich über direkte Verknüpfungen (Gruppen bzw. Zutrittsberechtigungen) mit den Geräten verbinden lassen. Diese funktionieren auch dann, wenn das Internet und/oder die Zentrale nicht verfügbar ist, und stellen somit eine besonders sichere Art der Kopplung dar.
Aber für wen ist welche Komponente geeignet? Die kleine Schlüsselbundfernbedienung HmIP-KRCK (Bild 20) kann einfach mitgeführt werden und lässt sich dank Schlüsselring direkt am Schlüsselbund befestigen. Die Piktogramme auf der Oberseite geben Aufschluss darüber, welche Funktionen hier belegt werden sollten. Wir schreiben „sollten“, da es dem Nutzer freigestellt ist, die Tasten auch mit anderen Funktionen zu belegen, wie z. B. das Schalten eines Lichts. Rufen wir uns die anfängliche Prämisse ins Gedächtnis, kann aber auch die Schlüsselbundfernbedienung verloren gehen. Von Vorteil ist jedoch, dass diese einfach aus dem System gelöscht werden kann und somit kein Sicherheitsrisiko darstellt wie bei einem abhanden gekommenen Schlüssel.

Eine andere Lösung ist die Nutzung eines Homematic IP Keypads HmIP-WKP (Bild 21), welches in der Nähe der Tür montiert wird und somit immer zur Verfügung steht. Zutrittscodes können individuell für das Keypad vergeben und ebenfalls über eine Zutrittsberechtigung zu bestimmten Uhrzeiten und Wochentagen aktiviert bzw. deaktiviert werden. Auch kann mit einem anderen Code das Licht geschaltet oder die gesamte Alarmanlage scharf und unscharf gesetzt werden. Das Keypad ist für die Außenmontage geeignet, sollte aber nicht direktem Starkregen ausgesetzt werden.

Fazit
Im Bereich Zutritt hat das Homematic IP System einiges zu bieten und kann durch seine durchdachten Produkte so gut wie jeden Anwendungsfall abdecken. Über die Homematic IP App können Zutrittsberechtigungen für Freunde, Familie, Gäste oder Mitarbeiter spielend einfach den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Besonders gefällt uns die einfache Nachrüstbarkeit des Türschlossantriebs in Kombination mit dem Keypad. Ein verlorener Schlüssel büßt so einiges von seinem Schrecken ein. Welche smarten Zutrittslösungen nutzen Sie bereits oder planen Sie für Ihr Zuhause? Teilen Sie Ihre Erfahrungen und Pläne in den Kommentaren!